Die IV-Stelle Thurgau unterhält schon seit längerem ein Online-Formular, auf dem man seine Mitmenschen anonym als Scheininvalide anschwärzen kann. Offenbar sind jetzt auch Solothurn und Luzern auf diesen Zug aufgesprungen.
ZSL Schweiz hat jetzt dazu aufgerufen, diese Meldeformulare zu nutzen, um die IV-Stellen für ihr Vorgehen zu kritisieren. Ich habe genau das getan und fordere Jede/n der das liest dazu auf, das selbe zu tun.
Meine Beschwerde:
"Sehr geehrte Damen und Herren
Als geschichtsbewusster Bürger dieses Landes möchte ich Ihnen sagen, dass mich Ihr Vorgehen zutiefst anwidert. Leute dazu auf zu rufen, ihre Nachbarn anonym anzuschwärzen ist eines Rechtsstaates unwürdig und erinnert an die dunkelsten Kapitel der jüngeren europäischen Vergangenheit.
Um Missbräuche aufdecken zu können, stehen Ihnen genügend lautere, sittenkonforme Instrumente zur Verfügung. Diese machen es überflüssig auf gehässige Querulanten, deren Glaubwürdigkeit ohnehin bestenfalls fragwürdig ist, zurück zu greifen. Wir leben hier nicht in der DDR.
Freundliche Grüsse von einem Bürger, der zu seinen Äusserungen mit seinem Namen stehen kann.
David Siems"
Siehe auch:
Spitzelformular Thurgau
Spitzelformular Solothurn
Spitzelformular Luzern
Dienstag, 17. April 2012
Mittwoch, 29. Februar 2012
Nachruf Gesellschaft, Behinderung und die Invalidenversicherung (ivinfo)
Marie Baumann aka Mia hört auf zu bloggen. Diese Hiobsbotschaft ist seit heute Morgen, ca. 9 Uhr auf ihrem Blog zu lesen. Doch warum ist das überhaupt eine Hiobsbotschaft für mich und viele andere Menschen?
Zum einen liegt es wohl daran, dass Marie Baumann, obwohl "nur" eine Bloggerin, hohe journalistische Ansprüche an ihre Arbeit stellte. Und das in einer Zeit, in der die einst seriösen Zeitungen dieses Landes grössten Teils zu Boulevard-Blättern verkommen sind, die sich für gute Verkaufszahlen für jede Propaganda bereitwillig und unkritisch hergeben. Das ist gerade für behinderte Menschen ein grosses Problem. Denn mit Behinderten-Gleichberechtigung gewinnt man keine Leser, wohl aber mit "Scheininvaliden" und "Sozialschmarotzern".
Das alleine verdeutlicht aber nicht den Verlust, den wir erlitten haben. Marie Baumanns Engagement war auch darum so bedeutsam, weil man selbiges im Behindertenwesen meistens vergeblich sucht. Während dem die neoliberale Gegenseite seit Jahren eine bis ins letzte Detail durch choreographierte Hetzkampagne gegen Behinderte betreibt, die sie geschickt hinter Missbrauchsdebatten, Spardruck und falschen Versprechungen versteckt, stehen Behindertenorganisationen, Gewerkschaften, linke Parteien und die Landeskirchen ohnmächtig in der Landschaft herum. Hie und da eine oberflächliche Betroffenheitsbekundung zur neusten gegen Behinderte ausgeheckten Scheusslichkeit ist das höchste der Gefühle.
Deshalb hat Marie Baumann in den letzten zweieinhalb Jahren hobbybloggen mehr für die behinderten Menschen dieses Landes getan, als manche professionelle Behindertenorganisation. Deshalb ist jede wirklich engagierte Person, die sich zurückzieht oder stirbt ein eigentlich nicht zu verkraftender Verlust für unsere Sache. Deshalb verlieren wir die Lust am kämpfen: Wir sind alleine, werden hängen gelassen und können kaum Erfolge feiern.
Einen Kampf zu verlieren ist an sich keine Schande. Dass wir ihn mit so wenigen Kämpfern auf diese würdelose Weise verlieren ist aber unerträglich.
Siehe auch: So long, and thanks for all the fish
Zum einen liegt es wohl daran, dass Marie Baumann, obwohl "nur" eine Bloggerin, hohe journalistische Ansprüche an ihre Arbeit stellte. Und das in einer Zeit, in der die einst seriösen Zeitungen dieses Landes grössten Teils zu Boulevard-Blättern verkommen sind, die sich für gute Verkaufszahlen für jede Propaganda bereitwillig und unkritisch hergeben. Das ist gerade für behinderte Menschen ein grosses Problem. Denn mit Behinderten-Gleichberechtigung gewinnt man keine Leser, wohl aber mit "Scheininvaliden" und "Sozialschmarotzern".
Das alleine verdeutlicht aber nicht den Verlust, den wir erlitten haben. Marie Baumanns Engagement war auch darum so bedeutsam, weil man selbiges im Behindertenwesen meistens vergeblich sucht. Während dem die neoliberale Gegenseite seit Jahren eine bis ins letzte Detail durch choreographierte Hetzkampagne gegen Behinderte betreibt, die sie geschickt hinter Missbrauchsdebatten, Spardruck und falschen Versprechungen versteckt, stehen Behindertenorganisationen, Gewerkschaften, linke Parteien und die Landeskirchen ohnmächtig in der Landschaft herum. Hie und da eine oberflächliche Betroffenheitsbekundung zur neusten gegen Behinderte ausgeheckten Scheusslichkeit ist das höchste der Gefühle.
Deshalb hat Marie Baumann in den letzten zweieinhalb Jahren hobbybloggen mehr für die behinderten Menschen dieses Landes getan, als manche professionelle Behindertenorganisation. Deshalb ist jede wirklich engagierte Person, die sich zurückzieht oder stirbt ein eigentlich nicht zu verkraftender Verlust für unsere Sache. Deshalb verlieren wir die Lust am kämpfen: Wir sind alleine, werden hängen gelassen und können kaum Erfolge feiern.
Einen Kampf zu verlieren ist an sich keine Schande. Dass wir ihn mit so wenigen Kämpfern auf diese würdelose Weise verlieren ist aber unerträglich.
Siehe auch: So long, and thanks for all the fish
Freitag, 24. Februar 2012
«Wir müssen (…) die IV-Bezüger in den Arbeits-Markt hineinmassieren.»
[Oben links ist das Zitat «Wir müssen (…) die IV-Bezüger in den Arbeits-Markt hineinmassieren.» von IV-Chef Stefan Ritler zu lesen. Darunter befindet sich ein Betonplatz auf dem ein Rollstuhlfahrer steht, auf den vier Panzer zusteuern. Der vorderste ist beschriftet mit "6. IV-Revision", der zweite mit "7. IV-Revision" usw. Im Vordergrund sehen wir noch eine Strassentafel auf der steht: "Arbeits-Markt,
Hans Arbeits (1893 – 1962), Prof. für angewandte Eugenik"]
So helfen die IV-Revisionen dabei, behinderte Menschen in den "Arbeits-Markt" "hinein zu massieren".
Siehe auch: Behindert sein ist keine Qualifikation
Samstag, 14. Januar 2012
Interessante Vergleiche zum Thema Invalidenversicherung
Betrachtet man die allgemeine Berichterstattung rund um die Invalidenversicherung, so könnte man meinen, diese Versicherung hätte ein gigantisches Missbrauchsproblem, würde horrende Renten auszahlen und hätte einen unvergleichlich riesigen Schuldenberg. Interessant daran ist, dass man sich mit der Veröffentlichung konkreter Zahlen in der Regel stark zurück hält. Kein Wunder, denn besagte Zahlen lassen die Lügengebilde rund um Scheininvalide und ihr angebliches Paschaleben wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen.
IV-Missbrauch im Vergleich mit anderen Formen von Versicherungsbetrug in Prozent der Schadensmeldungen.
Invalidenversicherung: 0.2%
Fahrzeugversicherungen: 10.0%
Hausratsversicherungen: 15.0%
Privathaftpflichtversicherungen: 25.0%
Versicherungsbetrug im Vergleich. Aufgedeckte Fälle von ergaunerten Leistungen in Millionen Franken nach Versicherungsgesellschaft.
Invalidenversicherung (2010): 5.6 Mio CHF
Allianz Suisse (2010): 18.0 Mio CHF
Axa Winterthur (1. Halbjahr 2010): 26.0 Mio CHF
Suva (2009): 32.0 Mio CHF
(Es war leider sehr schwierig einigermassen aktuelle Zahlen zu finden. Wenn Sie noch Infos zu anderen grossen Versicherungsgesellschaften haben, schreiben Sie bitte den entsprechenden Link in einen Leserkommentar.)
Jährliche durchschnittliche Kosten eines IV-Rentners im Vergleich mit einem Landwirten, einem Nationalrat, einem Ständerat und einem Alt-Bundesrat.
Rente IV-Bezüger: 17'220 CHF*
Direktzahlungen Landwirt: 40'410 CHF
Bezüge Nationalrat: 133'000 CHF
Bezüge Ständerat: 151'000 CHF
Rente Alt-Bundesrat: 215'000 CHF
*Das sind gerade einmal 1'435 Franken pro Monat.
IV-Schulden im Vergleich mit der Finanzhilfe für die UBS in Milliarden Franken.
Schulden Invalidenversicherung (2012): 15 Mia CHF
Finanzhilfe UBS: 68 Mia CHF
___________________________________________________________
Quellenangaben
1. Grafik
Missbrauchsanteil IV:
http://www.agile.ch/missbrauchspolemik
(In diesem Artikel wird darüber berichtet, dass nach 108'000 überprüften Dossiers 240 Betrüger gefunden wurden. Das wären 0.22% der überprüften Dossiers. Da es insgesamt nur 280'000 IV-Rentner gibt, kann man diesen %-Anteil als repräsentativ betrachten.)
Missbrauchsanteil andere Versicherungen:
http://www.betrugsabwehr-netzwerk.com/Informationen/Fakten/fakten.html
2. Grafik
Ergaunerte Leistungen Invalidenversicherung:
http://www.bsv.admin.ch/aktuell/medien/00120/index.html?lang=de&msg-id=40068
Allianz Suisse:
http://www.presseportal.ch/de/pm/100008591/100607446/allianz-suisse-versicherungsbetrug-nimmt-gerade-in-der-ferienzeit-zu
Axa Winterthur:
http://www.20min.ch/finance/news/story/23524638
Suva:
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Suva-Vertrauen-ist-gut-Kontrolle-ist-besser/story/23227158
IV-Missbrauch im Vergleich mit anderen Formen von Versicherungsbetrug in Prozent der Schadensmeldungen.
Invalidenversicherung: 0.2%
Fahrzeugversicherungen: 10.0%
Hausratsversicherungen: 15.0%
Privathaftpflichtversicherungen: 25.0%
Versicherungsbetrug im Vergleich. Aufgedeckte Fälle von ergaunerten Leistungen in Millionen Franken nach Versicherungsgesellschaft.
Invalidenversicherung (2010): 5.6 Mio CHF
Allianz Suisse (2010): 18.0 Mio CHF
Axa Winterthur (1. Halbjahr 2010): 26.0 Mio CHF
Suva (2009): 32.0 Mio CHF
(Es war leider sehr schwierig einigermassen aktuelle Zahlen zu finden. Wenn Sie noch Infos zu anderen grossen Versicherungsgesellschaften haben, schreiben Sie bitte den entsprechenden Link in einen Leserkommentar.)
Jährliche durchschnittliche Kosten eines IV-Rentners im Vergleich mit einem Landwirten, einem Nationalrat, einem Ständerat und einem Alt-Bundesrat.
Rente IV-Bezüger: 17'220 CHF*
Direktzahlungen Landwirt: 40'410 CHF
Bezüge Nationalrat: 133'000 CHF
Bezüge Ständerat: 151'000 CHF
Rente Alt-Bundesrat: 215'000 CHF
*Das sind gerade einmal 1'435 Franken pro Monat.
IV-Schulden im Vergleich mit der Finanzhilfe für die UBS in Milliarden Franken.
Schulden Invalidenversicherung (2012): 15 Mia CHF
Finanzhilfe UBS: 68 Mia CHF
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Quellenangaben
1. Grafik
Missbrauchsanteil IV:
http://www.agile.ch/missbrauchspolemik
(In diesem Artikel wird darüber berichtet, dass nach 108'000 überprüften Dossiers 240 Betrüger gefunden wurden. Das wären 0.22% der überprüften Dossiers. Da es insgesamt nur 280'000 IV-Rentner gibt, kann man diesen %-Anteil als repräsentativ betrachten.)
Missbrauchsanteil andere Versicherungen:
http://www.betrugsabwehr-netzwerk.com/Informationen/Fakten/fakten.html
2. Grafik
Ergaunerte Leistungen Invalidenversicherung:
http://www.bsv.admin.ch/aktuell/medien/00120/index.html?lang=de&msg-id=40068
Allianz Suisse:
http://www.presseportal.ch/de/pm/100008591/100607446/allianz-suisse-versicherungsbetrug-nimmt-gerade-in-der-ferienzeit-zu
Axa Winterthur:
http://www.20min.ch/finance/news/story/23524638
Suva:
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Suva-Vertrauen-ist-gut-Kontrolle-ist-besser/story/23227158
Freitag, 13. Januar 2012
Ihr Privatleben - Jetzt in Ihrer IV-Akte
Die SVP präsentiert
Nach einer Revision des Schweizer Parlaments
Bundesgericht und Invalidenversicherung in
1984 - IV-Detektiv is watching you
Ihr Privatleben - Jetzt in Ihrer IV-Akte
Weitere Infos zu diesem Meisterwerk finden Sie hier:
Das Balkonurteil des Bundesgerichts aus juristischer Sicht: Höchst bedenklich
Rechte der Versicherten. Bitte was?
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